Die Bauzinsen in Deutschland befinden sich auf einem historischen Tief. Schon im Herbst 2010 hatten sie sehr niedrig gelegen, dann hob die EZB ab dem April 2011 die Leitzinsen in zwei Schritten um insgesamt 0,5 Prozent an. Sämtliche Experten kamen nach Anwendung einer klassischen Chartanalyse zu dem Schluss, dass die Bauzinsen dieser Entwicklung folgen würden, bis zum Oktober 2011 ist dies jedoch nicht geschehen.
Erklärungen für das Zinstief
Das Zinstief im Herbst 2011 ist tatsächlich erstaunlich und angesichts des Marktumfeldes nicht nur historisch tief, sondern auch historisch einmalig. Denn sowohl die Zinsen für Tages- und Festgeldanlagen als auch diejenigen für zweckungebundene Ratenkredite oder Pkw-Finanzierungen sind inzwischen leicht nach oben gegangen, wie es nach einer Leitzinserhöhung der EZB auch völlig normal ist. Nur das Baugeld verhält sich dieses Mal anders. Der erste Zinsschritt der EZB hatte am 09. April 2011 (um 0,25 Prozent) stattgefunden, eigentlich müsste sich spätestens im Herbst 2011 eine Anpassung der Bauzinsen feststellen lassen. Es gibt jedoch Erklärungen für die sinkenden Zinsen. Die Leitzinsanhebung der EZB dürfte auf absehbare Zeit die letzte gewesen sein. Noch im Februar 2011 war darüber spekuliert worden, dass es im Oktober oder November noch mal zu Erhöhungen kommen könnte, das hat die EZB im September 2011 endgültig verneint. Zu stark schwelt die Eurokrise, man fürchtet ein Abwürgen der Konjunktur. Die sensible Hypothekenwirtschaft nimmt solche Signale sehr genau auf.
Was sollen Bauherren jetzt tun?
Wer einen Neubau schon länger plant, braucht nicht auf bessere Zeiten zu warten, die Zeiten sind hinsichtlich der Zinsen so gut wie nie. Sogar ein Forward-Kredit für eine Finanzierung erst in einigen Jahren (bis 60 Monate Vorlauf) könnte eine gute Idee sein. Die Zinsen liegen im Branchendurchschnitt bei etwa 3,5 Prozent, völlig exakte Zahlen sind aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen nicht anzugeben. Sie lagen jedoch zu Beginn der 2000er Jahre für vergleichbare Darlehen bei mehr als sechs Prozent. Eine Zinsverringerung um 2,7 Prozent bedeutet bei einem Darlehen von 150.000 Euro und 20 Jahren Laufzeit eine Ersparnis von 53.300 Euro.
Allerdings raten sogar die Banker davon ab, Bauvorhaben überstürzt anzugehen. Eine Immobilie ist und bleibt immer noch ein Lebensprojekt. Allein wer ohnehin Geld anlegen möchte, Aufwendungen steuerlich geltend machen kann und gern in Immobilien investieren will, kann die Gunst der Stunde nutzen. Denn das “Betongeld” schützt auch vor Inflation. Die Preise für Immobilien steigen leicht, die Mieten ebenfalls. Die Konstellation ist also für Investoren fast noch besser als für private Bauherren, die eine Selbstnutzung anstreben.