Wer die aktuellen Meldungen über die Finanzmarktkrise verfolgt, wird sich sicherlich fragen, wie es um die Entwicklung der Finanzen allgemein und der Zinsen für Immobilienfinanzierungen ganz besonders steht. Waren Experten bis vor einigen Wochen nämlich noch der Meinung, dass die Erholung der Wirtschaft auch einen Anstieg der Zinsen zur Folge hat, so sind sie angesichts der Krisen in Griechenland und dem Euro eines besseren belehrt worden. Kredite mit einer Zinsbindung von fünf Jahren erhalten potenzielle Immobilienerwerber schon ab 2,5 %; zehnjährige Kredite für unter 3,5 %.
Aufgrund dieses historisch niedrigen Zinsniveaus ist es nur zu verständlich, dass die Banken eine vermehrte Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen verzeichnen. Gerade auch wegen der Ungewissheit auf dem Kapitalmarkt ist die Nachfrage nach Krediten mit einer Zinsbindung von 20 Jahren stark gestiegen. Und wer in den nächsten ein bis zwei Jahren sowieso mit seiner Bank über eine Anschlussfinanzierung verhandeln muss, überlegt es sich, diese aktuell niedrigen Zinskonditionen vorab durch ein Forward-Darlehen zu sichern.
Wer sich allerdings erstmals mit dem Gedanken trägt, eine Immobilie zu erwerben, sollte nicht nur auf die günstigen Zinsen achten, sondern sich umfassend darüber informieren, ob und wenn ja unter welchen Bedingungen eine Finanzierung überhaupt in Frage kommt. Denn eine Baufinanzierung ist immer eine individuelle Angelegenheit, die zwingend auch auf die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Erwerbers abgestimmt sein muss. Deutlich wird das in Bezug auf die familiäre Situation. Erwirbt eine Familie mit Kindern ein Eigenheim, können diese unter Umständen die zinslosen Förderdarlehen der Landesbanken in Anspruch nehmen. Energetisch sanierte Immobilien bzw. Neubauten nach den neuesten energetischen Bestimmungen werden durch entsprechende Förderdarlehen der KfW zinsgünstig finanziert. Und allgemein für Arbeitnehmer interessant ist die Möglichkeit, die staatlichen Zulagen aus dem Wohn-Riester für die Finanzierung einer selbst bewohnten Immobilie zu nutzen. Das kann geschehen durch Abschluss eines extra dafür zertifizierten Bausparvertrages. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die Zulagen als Tilgung für ein Annuitätendarlehen in Anspruch zu nehmen. Diese Alternative bieten aber im Augenblick nur sehr wenige Kreditinstitute an.
Insofern kann ganz sicher gesagt werden, dass ein Immobilienerwerb nicht zuletzt auch wegen der Notwendigkeit für eine Private Rentenversicherung im Augenblick eine lohnenswerte Alternative ist. Sie muss aber wohl überlegt sein und sollte nur mit entsprechendem Eigenkapital in Angriff genommen werden.